Die Ausgangslage
Beschäftigte in einfachen Tätigkeiten, in der Pflege, im Lager, in der Gebäudereinigung, arbeiten heute selbstverständlich mit digitalen Werkzeugen: Tablet-Dokumentation, Handscanner, Dienstplan-App. Aber die Weiterbildung dazu ist für sie nicht gemacht.
Kurse finden außerhalb der Schicht statt, auf Deutsch, mit Vorwissen, das viele nicht mitbringen. Wer dazu noch geringe Deutschkenntnisse hat, weiß oft nicht einmal, ob das Problem die Technik ist oder die Sprache.
Was DigiSchicht werden soll
Kurze Lerneinheiten von fünf bis zehn Minuten, direkt zu den digitalen Aufgaben, die in der jeweiligen Schicht tatsächlich anfallen:
Jede Einheit läuft im Smartphone-Browser, ohne App-Installation, ohne Anmeldung, verfügbar in:
Die deutschen Fachbegriffe bleiben dabei bewusst auf Deutsch. Die Beschäftigten müssen sie im Betrieb, mit der Schichtleitung und später vielleicht in einer Bewerbung verwenden können.
Ein KI-gestützter Lernbegleiter beantwortet Rückfragen in der jeweiligen Sprache und übergibt an eine echte Ansprechperson, sobald es um etwas geht, das über die Lerninhalte hinausgeht.
Am Ende jeder abgeschlossenen Einheit soll ein digitaler Nachweis stehen, ausgerichtet am europäischen Digitalkompetenzrahmen DigComp 3.0 (Europäische Kommission, Joint Research Centre, 2025). Ihn kann die Person in einer Bewerbung zeigen oder bei einem Gespräch mit der Arbeitsagentur vorlegen.
Wie die Inhalte entstehen sollen: nicht am Schreibtisch, sondern im Betrieb
Das ist der wichtigste Punkt für einen Partnerbetrieb: Die Lerninhalte werden nicht am Schreibtisch erfunden, sondern aus der echten Arbeitspraxis geholt.
Bedarfsanalyse in den ersten acht Monaten
Kurze Arbeitsplatzbeobachtungen, strukturierte Gespräche mit Beschäftigten (wenn möglich in ihrer Muttersprache), Abstimmung mit Schichtleitung und Interessenvertretung.
Entwicklung in drei Zyklen à zehn Monate
Erst eine kleine Version bauen, mit echten Beschäftigten testen, überarbeiten, nächste Runde. Geplanter Zielwert: rund 20 Lerneinheiten pro Branche, insgesamt etwa 60.
Erprobung und Kompetenznachweis
Parallel soll der modulare Nachweis entstehen. Daran wird am meisten neu gearbeitet, weil es dafür noch keine Vorarbeit gibt.
Was von einem Partnerbetrieb konkret gebraucht wird
✓ Zu Beginn
Zugang für ein paar kurze Arbeitsplatzbeobachtungen und Gespräche mit Beschäftigten.
✓ Erprobungsphase
Einzelne Beschäftigte testen die Lerneinheiten kurz, im Rahmen der Arbeitszeit, wenige Minuten pro Woche.
✓ Eine Ansprechperson
Dient als Kontakt, kann optional an einer kurzen Qualifizierung zur betrieblichen Lernbegleitung teilnehmen.
Kein Kurs, den der Betrieb organisieren muss. Bei Bewilligung keine Kosten. Keine Verpflichtung, das Ergebnis zu nutzen. Aber die Möglichkeit, es nach Projektende weiterhin kostenfrei zu nutzen, wenn es sich bewährt hat.
Worauf das Ganze technisch aufbaut
DigiSchicht fängt nicht bei null an. Die Antragstellerin, DigMa Systems UG, betreibt bereits NextBeruf.de, eine live nutzbare Plattform mit acht Sprachversionen (inklusive Rechts-nach-links-Darstellung für Arabisch), einem KI-gestützten Lernbegleiter, einem Fachbegriff-Trainer und einer mehrsprachigen Zuordnung von Berufsfeldern zur Klassifikation der Berufe (KldB 2010) der Bundesagentur für Arbeit.
Diese technische Basis muss für DigiSchicht nicht neu erfunden werden. Neu entwickelt werden soll der Inhalt, also die konkreten arbeitsplatzbezogenen Lerneinheiten, und vor allem der modulare Kompetenznachweis, verknüpft mit DigComp 3.0. Das ist der geplante Kern der beantragten Förderung.
Was bei Bewilligung am Ende herauskommen soll
- Geplanter Zielwert: rund 60 erprobte, mehrsprachige Lerneinheiten, frei nutzbar (Open Educational Resource) auch für andere Betriebe, Bildungsträger und Kammern
- Ein erprobtes Verfahren, wie ein Betrieb seine Beschäftigten für so ein Angebot erreicht
- Ein Modell für den digitalen Kompetenznachweis mit Anschluss an bestehende Qualifizierungsbausteine
- Bereitstellung über die bestehende, dauerhaft betriebene Plattform, nicht über eine Projektseite, die nach Förderende offline geht
Häufige Fragen
Kostet uns das etwas?
Nein. Wenn der Antrag bewilligt wird, trägt die Förderung die Projektkosten. Für Partnerbetriebe entstehen weder jetzt noch während der Projektlaufzeit Kosten.
Was, wenn der Antrag nicht bewilligt wird?
Dann passiert nichts weiter. Eine Absichtserklärung begründet keine Verpflichtung, das Projekt in diesem Fall trotzdem umzusetzen.
Müssen wir uns schon jetzt auf Details festlegen?
Nein. Für die Antragstellung reicht eine grundsätzliche Absichtserklärung. Details werden erst besprochen, wenn der Antrag bewilligt ist.
Was ist mit den Daten unserer Beschäftigten?
Die Nutzung erfolgt ohne Registrierung. Eine personenbezogene Speicherung von Lernfortschritt erfolgt nur auf ausdrücklichen Wunsch. Vor der ersten Erprobung wird eine Datenschutz-Folgenabschätzung durchgeführt.
Wer finanziert das Projekt?
Das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ), Programm „Digitale Kompetenzen geringqualifizierter Beschäftigter im Arbeitsprozess stärken“ (DiKAp). Bei Bewilligung geplanter Projektstart frühestens 1. Juli 2027, Laufzeit bis zu 36 Monate.